November 23, 2016

NABU e.V.: Das NABU-Projekt Meere ohne Plastik

Die Vermüllung der Ozeane

Plastik ist aus unserer heutigen Welt nicht mehr wegzudenken. Vor knapp 100 Jahren hat es seinen Siegeszug angetreten und hat unseren Planeten grundlegend verändert. Im Meer sind Kunststoffe zu einem der drängenden Umweltprobleme unserer Zeit geworden, Riesige Müllstrudel treiben durch die Ozeane, Meerestiere verfangen sich in alten Netzen, fressen Plastik, verhungern mit vollem Magen und kleinste Plastikpartikel fluten das marine Nahrungsnetz.

Plastikabfälle sind ein globales Problem. Denn Plastik vergeht nicht. Es zersetzt sich lediglich in immer kleinere Partikel – eine Plastiktüte in 25 Jahren, eine Plastikflasche in 450 Jahren. Im Jahr 2015 schätzten Wissenschaftler den jährlichen Eintrag ins Meer auf unglaubliche fünf bis 13 Millionen Tonnen Plastik. Nach Aussage des Umweltprogramms der Vereinten Nationen entspricht das 80 Prozent der gesamten Einträge. Durchschnittlich 18.000 Plastikteile treiben heute durchschnittlich auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Ganz oben auf der Liste der häufigsten Fundstücke: Zigarettenfilter, Plastiktüten und Reste von Fischernetzen. Hydrografische Wirbel in den Ozeanen konzentrieren die Abfälle in riesigen Müllstrudeln. Der sogenannte „Great Pacific Garbage Patch“, hat inzwischen die Größe Mitteleuropas erreicht. Die Herkunft des Mülls variiert dabei stark zwischen den unterschiedlichen Meeresregionen. Neben großen Müllteilen, die sich über die Jahre zersetzen, sorgen sich Naturschützer heute auch um direkten Eintrag sogenannten Mikroplastiks, Kunststoffpartikel kleiner als fünf Millimeter. Diese gelangen z.B. als Zusatzstoffe in Kosmetikprodukten oder Waschmaschinenabwässern in die Ozeane.

 

Fehlende Abfallentsorgung führt zu katastrophalen Verhältnissen an Ghanas Küsten.

Fehlende Abfallentsorgung führt zu katastrophalen Verhältnissen an Ghanas Küsten.

Tödliche Folgen für Meerestiere!

Die Auswirkungen von Müll auf die Meeresumwelt sind dramatisch. Delfine verfangen sich in alten Netzen und ersticken jämmerlich. Bis zu einer Million Seevögel sterben jedes Jahr. Wie Meeresschildkröten verwechseln sie Feuerzeugen, Zahnbürsten oder Spielzeug mit ihrer natürlichen Nahrung, Fischen oder Tintenfischen. Sie können Plastik aber nicht verdauen oder vollständig ausscheiden, Sie verhungern mit vollem Magen und sterben an inneren Verletzungen. In einer der weltgrößten Brutkolonien der Laysan-Albatrosse auf den Midway-Inseln im Nordpazifik sterben heute zwei von fünf Küken an den Folgen von Plastikabfällen. Fische und Filtrierer wie Muscheln oder Korallen reichern die mikroskopisch kleinen Plastikpartikel im Verdauungssystem an und geben sie über das Nahrungsnetz weiter. Partikel mit der gefährlichen Eigenschaft, im Wasser gelöste Umweltgifte wie DDT oder auch PCBs an ihrer Oberfläche anzulagern. Doch viel zu wenig wissen wir dabei heute über Mikroplastik im weit verzweigten Nahrungsnetz. Nur vermuten lässt sich, ob auch der Fisch auf unserem Teller längst ein Fisch aus Plastik ist.

Viele Seevögel nutzen heute Plastikmüll als Nistmaterial, mit gefährlichen Folgen.

Viele Seevögel nutzen heute Plastikmüll als Nistmaterial, mit gefährlichen Folgen.

Auch Nord- und Ostsee sind betroffen

Auch vor unserer Haustür schreitet die Vermüllung unaufhaltsam voran. Geschätzte 600.000 Kubikmeter Müll liegen allein am Grund der Nordsee und die Küstenkommunen müssen Millionen Euro in die regelmäßige Reinigung unserer Urlaubsstrände investieren. Im Wattenmeer liegen auf 100 Meter Küste durchschnittlich 236 Müllteile unterschiedlichster Größe, etwa 75 Prozent davon aus Plastik. An Ostseestränden fand der NABU auf Fehmarn durchschnittlich 85 Müllteile auf 100 Meter Küstenlänge, auf Rügen waren es fast 190. Und fast jeder tot gefundene Eissturmvogel an der Nordseeküste hat Plastik im Magen, durchschnittlich 30 Teile.

Wir müssen handeln: jetzt!

Im Jahr 2008 hat Europa die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie verabschiedet. Sie verpflichtet die Mitgliedsstaaten, Maßnahmen zu ergreifen, damit Abfälle im Meer bis 2020 „keine schädlichen Auswirkungen auf die Küsten- und Meeresumwelt“ haben und Europas Meere einen „guten Umweltzustand“ aufweisen. Dabei liegen die zentralen Lösungen für das Problem im Meer häufig an Land. Wir müssen weg von dem maßlosen Plastikkonsum, weg von kurzlebigen Einwegprodukten und hin zu mehr Ressourcenschonung und effizienten Stoffkreisläufen. Wir brauchen eine Forschungspolitik, die völlig neue Kunststoffe hervorbringt. Diese müssen einerseits ohne problematische Additive (Farbstoffe, Weichmacher) hergestellt werden und müssen gleichzeitig biologisch abbaubar sein, sollten sie in der Natur landen. Unsere Produkte müssen zukünftig langlebig, reparier- und recycelbar sein. Wir müssen Mehrwegsysteme stärken, für eine hochwertige Kreislaufwirtschaft. Für die Kunststoffabfallvermeidung müssen wir alle gemeinsam Verantwortung übernehmen. Und genau hier fängt der Meeresschutz dann zu Hause an, beim eigenen Konsum- und Wegwerfverhalten.

 NABU-Aktive reinigen Küsten und Strände.

NABU-Aktive reinigen Küsten und Strände.

Das NABU-Projekt Meere ohne Plastik

Im Jahr 2010 hat der NABU das Projekt Meere ohne Plastik ins Leben gerufen. Mit Informationsveranstaltungen, Reinigungs- und Monitoring-Aktionen sowie regionalen Müllvermeidungsprojekten kämpft er gegen die Müllkippe Meer. Beim Fishing for Litter bauen wir mit regionalen Partnern Strukturen in ausgewählten Häfen auf, so dass Fischer die Abfälle, die sich in Ihren Netzen verfangen, umweltgerecht entsorgen können. Jedes Jahr im September beteiligen wir uns am International Coastal Cleanup Day. Im letzten Jahr sammelten unsere Aktiven an zehn Küstenabschnitten und Flussufern fast 2,5 Tonnen Müll. Die Veranstaltungsorte aus diesem Jahr finden Sie hier.

Doch Aufräumen allein reicht nicht. Im Rahmen eines durch das Umweltbundesamt geförderten Projektes entwickelt der NABU Maßnahmen zur effektiven Müllvermeidung. Die erste Pilotkommune ist Fehmarn. Die Insel möchte den Verbrauch von Plastiktüten drastisch reduzieren, hat Kippen den Kampf angesagt und setzt auf eine breite Informationskampagne für Inselbewohner und Touristen staten.

Tierschutzstiftung Bösche unterstützt Meere ohne Plastik

Mit der finanziellem Unterstützung der Tierschutzstiftung Bösche reinigt der NABU im Frühjahr 2016 einen Strandabschnitt von gefährlichem Müll, führt eine Informationsveranstaltungen mit begleitender Filmvorführung durch und entwickelt eine technische Installation, um auf das Müllproblem in Nord- und Ostsee aufmerksam zu machen. Vielen Dank.

Mehr Informationen auf www.meere-ohne-plastik.de