Dezember 22, 2016

Ocean Care: Kampagne zum Schutz der Delphine und Haie in Peru

OceanCare: Expertise und Passion für lebendige Ozeane

Tödliche «Feder»: Spitze einer Handharpune für die Delphinjagd (Robert Marc Lehmann)

Tödliche «Feder»: Spitze einer Handharpune für die Delphinjagd (Robert Marc Lehmann)

Die Meeresschutzorganisation OceanCare setzt sich seit 1989 weltweit für die Meeressäuger und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie intensivem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren.

OceanCare ist mit Akteuren und Regeln aller im Meeresschutz relevanten internationalen Abkommen vertraut, kooperiert eng mit Partnerorganisationen und führenden Wissenschaftlern und geniesst dank ihrer Kompetenz und lösungsorientierten Strategien das Vertrauen politischer Entscheidungsträger.

Seit 2011 ist OceanCare UN-Sonderberaterin für den Meeresschutz.

Bedrohte Meereswelt vor Peru

Vor der über 3‘000 Kilometer langen Küste Perus liegt das fischreichste Meeresgebiet der Welt. Von dort stammen 10% des globalen Fischfangs. Ein Schlaraffenland für Beutegreifer wie Delphine und Haie. Über 30 verschiedene Arten von Meeressäugern leben in peruanischen Gewässern. Ein lebendiger Reichtum, der für das südamerikanische Land Grundlage eines florierenden Tourismus sein könnte.

Doch statt den natürlichen Reichtum nachhaltig zu nutzen, lässt die peruanische Regierung zu, dass jährlich bis zu 15‘000 Delphine auf qualvollste Weise getötet werden. Das Ausmass des peruanischen Delphinmassakers ist vergleichbar mit jenem in Japan. Anders als dort, ist es in Peru seit 1997 aber verboten, Delphine zu töten. Das ökologische Verbrechen würde per Gesetz mit vier Jahren Gefängnis geahndet, was in der Realität aber kaum je geschieht. Illegal – und von der Regierung grosszügig übersehen – harpunieren lokale Fischer vor allem Schwarzdelphine.

Ein Teil der Beute landet auf dem Schwarzmarkt für den menschlichen Konsum. Der grössere Teil des Delphinfleisches aber wird für ein weiteres Gemetzel genutzt: Als Köder für Haie, vorwiegend Makohaie und Blauhaie, die jährlich zu zehntausenden getötet werden. Haifleisch findet man in Peru auf vielen Speisekarten. Die Flossen sind vorwiegend für den asiatischen Markt bestimmt. Vor den Küsten Perus sind die Haibestände mittlerweile drastisch überfischt. Rund 95% der gefangenen Tiere haben das fortpflanzungsfähige Alter noch nicht erreicht. Neben enormem Tierleid generiert die verwerfliche Haijagd auch ein massives Artenschutzproblem.

Seit 2008 unterstützt OceanCare den deutschen Biologen Stefan Austermühle und dessen peruanische Organisation Mundo Azul im Schutz der Delphine und Haie in Peru.

Dokumentarfilm bringt Delphin- und Haijagd ans Licht

2013 ermöglichte OceanCare Stefan Austermühle eine Undercover-Aktion, bei der er erstmals brisantes Beweismaterial sammeln konnte. Unerkannt fuhr er einen Monat lang auf einem Fischerboot mit und dokumentierte die Jagd auf Delphine und Haie. Aus dem umfangreichen Film- und Bildmaterial, das im Zuge dieser gefährlichen, verdeckten Recherche aufgenommen wurde, entstand ein halbstündiger Kurzfilm. Dieser wurde 2015 in Deutschland am Filmfestival NaturVision in Ludwigsburg gezeigt und erhielt am renommierten Naturfilmfestival in Eckernförde einen Sonderpreis.

Seit 2016 arbeiten OceanCare und Mundo Azul an einem Dokumentarfilm für internationale TV-Kanäle, der bis Ende des Jahres fertiggestellt werden soll. Das Material aus 2013 wird mit aktuellen Filmaufnahmen ergänzt. Im Februar 2016 gelang es dem Filmteam seltenes Material zum Handel mit Haiflossen zu drehen, sowie den Beweis zu erbringen, dass selbst Babyhaie auf dem Markt angeboten werden.

OceanCare verspricht sich von diesem Dokumentarfilm eine Kehrtwende. Er soll die Öffentlichkeit in Peru und weltweit aufrütteln und die peruanische Regierung zum Handeln bewegen. Dass ein solcher Film Wirkung haben kann, zeigte 2009 der Dokumentarfilm ‚Die Bucht‘ über die japanische Delphintreibjagd. Aufgrund der öffentlichen Empörung reduzierte sich die Zahl getöteter Delphine in Japan mittlerweile um immerhin die Hälfte.

 

Durchsetzung des Jagdverbots in Peru

Aus den Undercover-Aufnahmen von 2013 produzierten OceanCare und Mundo Azul den erwähnten Kurzfilm. Ein Ausschnitt daraus wurde 2015 an die peruanische Regierung, an weltweit alle Botschaften Perus sowie an zuständige Fischerei- und Artenschutzabkommen geschickt, verbunden mit der Forderung, geltendes Recht bezüglich der illegalen Delphinjagd durchzusetzen sowie die Haibestände besser zu schützen.

2016 erhob die peruanische Staatsanwaltschaft Anklage gegen die drei peruanischen Delphinjäger, die im Film zu sehen sind. Sie mussten sich im August 2016 vor Gericht für ihre Taten verantworten. Es war das erste Mal, dass illegales Töten von Delphinen in Peru zur Anklage kam. Im Zeugenstand war unter anderen Stefan Austermühle. Das laufende Gerichtsverfahren setzt ein deutliches Zeichen, dass die Jagd auf Delphine für die Fischer drastische Konsequenzen haben kann.

Den Fischern Perspektiven geben

Ein nachhaltiger Umgang mit dem Meer kann nicht nur mit Druck erreicht werden. Wie in vielen anderen Projekten legt OceanCare auch in Peru Wert darauf, die lokale Bevölkerung und insbesondere die Fischer für die ökologischen Probleme zu sensibilisieren und Wege aufzuzeigen, wie sie ihren Lebensunterhalt auf umweltfreundlichere Weise bestreiten können.

Workshop mit Fischern (Mundo Azul)

Workshop mit Fischern (Mundo Azul)

Erste Workshops zu nachhaltigen Fischereimethoden und sanftem Umwelttourismus hat Stefan Austermühle bereits durchgeführt. Weitere Anlässe sind ab 2017 geplant. Sie sollen beitragen, das Bewusstsein der peruanischen Fischer für die weltweit einzigartige Meereswelt vor der Küste ihres Landes zu schärfen und deutlich machen, wie wertvoll der natürliche Reichtum – vorausgesetzt, es wird achtsam mit ihm umgegangen – für das Land auch in Zukunft sein kann.

Arbeit in internationalen Gremien

OceanCare thematisiert den illegalen Fang von Meerestieren zur Nahrungsbeschaffung, sogenanntes Marine Bushmeat, in internationalen Foren. Eine entsprechende Studie wurde diesen Sommer beim Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (CMS/Bonner Konvention) eingebracht und dem Wissenschaftsausschuss der Internationalen Walfangkommission (IWC) für die Walfangkonferenz im Oktober unterbreitet.

Im Januar 2017 nimmt OceanCare in Adelaide am Treffen des für die peruanischen Gewässer zuständigen regionalen Fischereiabkommens teil, der South Pacific Regional Fisheries Management Organisation (SPRFMO). Den Fokus legen wir hier auf den massiven Fang von unterjährigen Haien.

Kampagnenarbeit zum Schutz der Delphine und Haie

Mit Partnern ruft OceanCare seit 2013 zum Transport-Boykott von Haiflossen auf. Mittlerweile verbieten 31 internationale Fluggesellschaften, darunter Emirates Airline, Qantas, Thai Airways und United Parcel Service, den Transport dieser Produkte an Bord ihrer Flugzeuge. Ein wichtiger Erfolg, denn ein Grossteil der Haiflossen wird via Luftfracht rund um den Globus verschickt. Die Aktion wird laufend ausgeweitet.

Seit 2015 verteilt OceanCare in der Schweiz Karten an die Adresse der peruanischen Botschaft in Bern, mit denen Tierfreunde gegen die brutale Delphin- und Haijagd protestieren können. Ein Online-Protest verstärkt die öffentliche Stimme zusätzlich. Die gesammelten Unterschriften übergibt OceanCare im Oktober dem neu gewählten Präsidenten Pedro Pablo Kuczynski.

Weckruf für die Schweiz

2015 unterstützte OceanCare eine Motion gegen den Import von Haiflossen in die Schweiz, die der Nationalrat mit grosser Mehrheit annahm, der Ständerat aber mit 22 zu 15 Stimmen ablehnte. Das Ziel eines Importverbots für Haiflossen in die Schweiz verfolgt OceanCare selbstverständlich weiter.

Erstaunlich, dass in der Schweiz, wo ein Bewusstsein für die Bedrohung der Hai zu erwarten wäre, Haiprodukte noch immer angeboten und unkritisch konsumiert werden. Unter Fantasienamen wie «Schillerlocke», «Königsaal», «Seestör» oder «Steinlachs» wird das Fleisch feilgeboten. «Schillerlocke» beispielsweise ist der Bauchlappen des Dornhai, einer Haiart, die auf der roten Liste der bedrohten Tiere steht. Chondroitinsulfat aus Haiknorpel ist von Swissmedic als Arzneimittel bei Gelenkproblemen zugelassen und als Nahrungsergänzungsmittel sogar rezeptfrei erhältlich. OceanCare wird Fischhändler und Apotheker hinsichtlich der bedenklichen Hintergründe dieser Produkte sensibilisieren.