November 28, 2016

Rettet den Regenwald e.V.: Tropenwaldkauf in Paraguay

Seit Ende 2008 unterstützt Rettet den Regenwald über die Vereinigung Iniciativa Amotocodie den Waldkauf für die indigenen Ayoreo in Paraguay. Tropenwald zu erhalten und vor der Rodung zu schützen, den Ayoreo das Überleben zu sichern, Zeit zu gewinnen und die Landspekulanten aufzuhalten, sind einige der Ziele des Waldkaufs. Aber letztendlich muss die Regierung Paraguays Verantwortung übernehmen. Die Urwaldrodung muss gestoppt und den Ayoreo die Rechte über ihr angestammtes Land übertragen werden, so wie in der Verfassung vorgesehen.

Der Chaco ist eine sehr artenreiche mit Trockenwäldern und Dornbuschsavannen bewachsene Region im Inneren Südamerikas. Er umfasst den Norden von Argentinien, den westlichen Teil von Paraguay und den Südosten von Bolivien. Der Chaco ist die Heimat vieler bedrohter Tiere und Pflanzen wie Tapir, Puma und Riesengürteltier sowie des endemischen Chaco-Pecari (Catagonus wagneri). Das Klima ist tropisch mit sehr hohen Temperaturen während der feuchten Sommer und kühlen Wintern mit ausgeprägter Trockenheit.

Chacowald vom Flugzeug aus, dazwischen Flusslauf © Jieun Kang/IA

Chacowald vom Flugzeug aus, dazwischen Flusslauf © Jieun Kang/IA

Lange Zeit war der Chaco unerschlossen und galt als ungeeignet für die Landwirtschaft. Die paraguayische Regierung vergab dort bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts ausgedehnte Ländereien an ausländische Firmen, Spekulanten und Großgrundbesitzer, doch kaum jemand wollte sich in der Wildnis ansiedeln. Nur eingewanderte deutschstämmige Mennoniten fanden im Chaco eine neue Heimat. Doch nun fallen die Trockenwälder des Chaco dem Sojaboom in Argentinien, Brasilien und Paraguay als Folge des weltweiten Sojahandels, der rasant steigenden Sojaimporte der EU sowie des Hungers nach Fleisch und Holzkohle zum Opfer. Mit proteinreichem Sojaschrot werden europäische Hühner, Schweine und Rinder gemästet, Sojaöl dem hiesigen Dieselkraftstoff als Agrosprit beigemischt. Der Sojaanbau drängt die Viehzucht immer tiefer in den Chaco hinein. Die Mennoniten haben in den letzten Jahrzehnten Milchwirtschaft nach europäischen Standards aufgebaut.

Mähnenwolf aus dem Chaco in Paraguay © Junior Alarcón/IA

Mähnenwolf aus dem Chaco in Paraguay © Junior Alarcón/IA

 

Landraub bei den Indigenen

Nicht nur die Natur ist vom Sojaanbau und der Rinderzucht bedroht, auch die 2.500 indigenen Ayoreo und 16.000 Enxet. In den Weiten des Chaco-Walds haben die Ureinwohner bis heute überlebt, darunter auch unkontaktierte und in freiwilliger Isolation lebende Gruppen. In Paraguay leben die letzten unkontaktierten Indigenen Südamerikas außerhalb des Amazonasgebiets. Die Ernährung der Ayoreo basiert auf der Jagd und dem Fischfang, dem Sammeln von Knollen, Früchten und Honig. Während der Regenzeit betreiben sie Landwirtschaft auf kleinen Parzellen im Wald. Mit ihrer naturverträglichen Lebensweise haben die Ayoreo den Wald bis heute erhalten. Doch belohnt werden sie dafür nicht, im Gegenteil: zwischen 1957 und 1986 wurden sie gewaltsam aus ihrem Lebensraum deportiert und weiter südlich angesiedelt. Dazu bedienten sich die Landräuber Missionaren verschiedener religiöser Sekten wie der nordamerikanischen New Tribes Mission. Die Missionare verfügen über langjährige Erfahrungen darüber, Indianer aus dem Wald zu holen, damit sie den Kapitalinvestitionen nicht im Wege stehen. Den „ungläubigen Wilden“ werden Bekehrung und Wohlstand versprochen. Zusammengepfercht müssen sie nun in 15 Siedlungen hausen. Zu weitgehender Untätigkeit und dem Verlust ihrer Identität und Kultur verbannt, fristen sie dort ein unwürdiges Dasein.
Lange Jahre hat die Strategie der Missionare funktioniert, nun regt sich langsam Widerstand. Mehr und mehr Ayoreo möchten in ihre früheren Territorien zurückkehren.

Ayoreo-Frau bei der Herstellung von Flechtmaterial © Junior Alarcón/IA

Ayoreo-Frau bei der Herstellung von Flechtmaterial © Junior Alarcón/IA

 

Landspekulanten aus aller Welt

Der Soja- und Fleischboom hat zu wilder Landspekulation im bisher weitgehend unerschlossenen Nordwesten des paraguayischen Chaco geführt. Großgrundbesitzer und Investoren machen den Indigenen ihr angestammtes Land streitig. Auch deutsche Anleger haben sich im Chaco eingekauft, und Landhändler wie Peer Voss aus Hamburg vermarkten weltweit die Urwaldgrundstücke als die „letzte landwirtschaftliche Front“. Mit der Wildnis und dem Busch können die Bodenspekulanten nichts anfangen. Paraguay hat sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes als Hauptlieferant für Grill-Holzkohle nach Deutschland etabliert. Mehr als 51.000 Tonnen wurden 2009 geliefert. Auch Rindfleisch wird nach Deutschland exportiert. Ziel ist es, das Land durch Rodung „urbar“ zu machen. Nicht für lange Zeit, denn den Rinderweiden droht Erosion, Versteppung und Versalzung. Doch nach einigen Jahren haben die Flächen die Investitionen samt einer satten Rendite eingefahren. Die Investoren ziehen weiter und nähren den weltweit ausufernden Landraub mit neuem Kapital. Per Gesetz steht den Indigenen die Anerkennung ihres Territoriums zu, doch nur in Einzelfällen wurden ihnen bisher Landtitel erteilt. Die Spekulanten hingegen gehen im Katasteramt ein und aus. Es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Die Landräuber versuchen Fakten zu schaffen und den Wald so schnell wie möglich zu roden, um Viehweiden anzulegen. Wo sich früher dichter Urwald ausdehnte erstrecken sich heute monotone Weiden. Die endlose Weite ist von Zäunen und Pisten unterbrochen.

Die letzten unkontaktierten Ayoreo

Neben den sesshaft in mittlerweile 15 Dörfern lebenden Ayoreo gibt es weiterhin vier oder fünf Gruppen, die in freiwilliger Isolation leben. Es handelt sich um Familien oder kleine Gruppen, nicht mehr als insgesamt rund 100 Menschen. Diese führen das ursprüngliche nomadische Leben der Ayoreo weiter. Der größte Teil des aktuell von diesen Gruppen in den Verwaltungsregionen Boquerón und Alto Paraguay bewohnten Gebiets befindet sich aber in privaten Händen und ist akut von Rodung bedroht: Paraguayer und Ausländer, Großgrundbesitzer und Investoren, Einzelpersonen und Firmen sind die „Landbesitzer“. Weniger als 10% des Territoriums liegen in Schutzgebieten und Nationalparks.

Iniciativa Amotocodie und UNAP

In Paraguay unterstützt die gemeinnützige Vereinigung Iniciativa Amotocodie (IA) die Ayoreo, um deren Überleben als indigene Minderheit zu sichern. Die Ziele der Vereinigung liegen im Schutz und Erhalt der Indigenen einschließlich ihrer Kultur, ihres Territoriums und dessen natürlicher Ressourcen. IA verfügt über erfahrenes Personal und unterhält enge Kontakte zu den Ayoreo und deren Organisation, der Unión de Nativos Ayoreo del Paraguay (UNAP). In der UNAP, die etwa 95% der Ayoreo-Indianer in Paraguay repräsentiert, haben sich 13 Ayoreo-Dörfer in Paraguay zusammengeschlossen. Um den isolierten nomadischen Gruppen das Überleben in einem größeren und, wo immer möglich, zusammenhängenden Territorium zu sichern, koordiniert die Iniciativa Amotocodie den Landkauf für die Ayoreo. Rechtlich werden die Urwaldgrundstücke an die UNAP übertragen. Mit einer verbindlichen Klausel verpflichtet sich die UNAP, die Biodiversität und die Natur auf den erworbenen Landflächen zu schützen. Diese dürfen nur von den isolierten Ayoreo-Gruppen auf traditionelle Art für die Jagd und das Sammeln von Waldprodukten wie Knollen und Früchten genutzt werden.

Urwaldkauf für die unkontaktierten Ayoreo

Bis heute konnten IA und UNAP mit Spendengeldern aus dem Ausland drei große Landstücke im Chaco erwerben, insgesamt 15.538 Hektar. Das erste Urwaldstück wurde bereits per Dekret vom paraguayischen Staat als Naturschutzgebiet und Erbe der Ayoreo (Área Silvestre Protegida y del Patrimonio Ayoreo) anerkannt. Seit Ende 2008 unterstützt Rettet den Regenwald die Iniciativa Amotocodie. 95.000 Euro für den Kauf eines insgesamt 5.000 Hektar großen Urwaldgrundstücks am Rand des Nationalparks „Dünen des Chaco“ hat der Verein schon gespendet. 1.800 Hektar wurden davon bereits Ende Dezember 2009 zusammen mit Spenden von Brot für die Welt und SOS Regenwald erworben (siehe c auf der obigen Karte). Mitte April kamen weitere 2.000 Hektar hinzu. Wir sammeln weiter Spenden. Der Preis beträgt 120 Euro pro Hektar. Ein Hektar sind 10.000 Quadratmeter, das heißt zehn Quadratmeter kosten 120 Cent. IA verwendet maximal 5% der Spendensumme für Arbeits-, Landvermessungs, Anwalts- und Notarkosten, Behördengebühren sowie notwendige Schutzarbeiten im Gelände wie das Anbringen von Hinweisschildern und Zäunen. Viele weitere Urwaldflächen müssten noch hinzukommen, damit aus den bisher gesicherten Waldinseln ein zusammenhängendes Territorium entsteht, das den isoliert lebenden Ayoreo-Gruppen das Überleben sichern kann. Vor allem muss der paraguayische Staat das angestammte Land der Indigenen anerkennen. Erste Schritte in dieser Richtung gab es bereits im Januar 2008. Damals haben die Staatsbehörden das Naturreservat des Ayoreo-Stammlandes „Punié Paesoi“ als Gebiet zum Schutz der isolierten Ayoreo-Gruppen anerkannt. Im November 2009 präsentierten die Ayoreo und IA die Studie „Der Fall Ayoreo“ zur Geschichte und aktuellen Situation ihres Volks im Parlament in der Hauptstadt Asunción.

Die Tierschutz-Stiftung Wolfgang Bösche verschenkt Tropenwald in Paraguay

Für den Kauf von 250 000 Quadratmeter Tropenwald in Paraguay hat die Tierschutz-Stiftung Wolfgang Bösche die Mittel bereit gestellt.

Regenwald Urkunde © Regenwald e.V.

Regenwald Urkunde © Regenwald e.V.

Weitere Informationen:

Rettet den Regenwald e.V., Büro Berlin
Klaus Schenck, Wald- und Energiereferent
Jupiterweg 15
D-22391 Hamburg
Tel. +49- 40 – 410 38 04; Fax:+49- 40 – 450 01 44
E-mail: berlin@regenwald.org
http://www.regenwald.org

Iniciativa Amotocodie
Calle Picaflor # 59 – Barrio Primavera
9300 Fernheim, PARAGUAY
Telefax +595-4914 32632
E-mail: info@iniciativa-amotocodie.org
http://www.iniciativa-amotocodie.org