{"id":312,"date":"2023-03-22T12:03:01","date_gmt":"2023-03-22T12:03:01","guid":{"rendered":"https:\/\/tierschutzstiftung-boesche.de\/?page_id=312"},"modified":"2023-03-22T12:05:37","modified_gmt":"2023-03-22T12:05:37","slug":"pro-animals-e-v-das-schicksal-der-strassenhunde-von-balikesir","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/tierschutzstiftung-boesche.de\/?page_id=312","title":{"rendered":"Pro Animals e.V.: Das Schicksal der Stra\u00dfenhunde von Balikesir"},"content":{"rendered":"\n<p>von Jens Wolters<\/p>\n\n\n<p>In der t\u00fcrkischen Stadt Balikesir bem\u00fcht sich die Familie Ayalp als Betreiber des dortigen, bereits jetzt schon \u00fcberf\u00fcllten Tierheims \u201eOasis\u201c um eine tierschutzgerechte L\u00f6sung des Problems der mittlerweile \u00fcber 1.000 frei lebenden Stra\u00dfenhunde.<\/p>\n<p>S\u00fcdeurop\u00e4ische L\u00e4nder sowie ihre benachbarte Staaten sind als landschaftlich reizvolle und g\u00fcnstige Ferienparadiese bei vielen Urlaubern bekannt und beliebt. Selten begr\u00fcndet geschichtliches oder kulturelles Interesse die Auswahl des Reiseziels und noch weniger machen sich die Urlauber Gedanken \u00fcber die Probleme des Tier-, Natur- und Umweltschutzes in ihrem Urlaubsort.<\/p>\n<p>Ein dort sehr weit verbreitetes und in vielen St\u00e4dten und Gemeinden dieser L\u00e4nder f\u00fcr Einheimische und Besucher beiderma\u00dfen offensichtliches Problem stellen die vielerorts zahllosen Stra\u00dfenhunde dar, die manchmal in Rudeln mit etwa 10 Tieren zusammenleben, sich in bestimmten Stadtvierteln frei bewegen und keinem ehemaligen Besitzer eindeutig zugeordnet werden k\u00f6nnen.<br \/>Dem Menschen gegen\u00fcber verhalten sich diese Tiere oft scheu, aber nur selten aggressiv. Die frei lebenden Vierbeiner machen sehr rasch die Erfahrung, dass treu und brav dreinblickende Hundeaugen beim Betteln nach Futter mehr Erfolg bei Tierfreunden einbringen. Bei der Futtersuche durchstreifen die Hunderudel belebte Gegenden sowie Industriegebiete, M\u00fclldeponien, H\u00e4fen und andere Orte, wo Gro\u00dfm\u00e4rkte oder Restaurants ans\u00e4ssig sind und Lebensmittel oder Fressbares be- und entladen oder als M\u00fcll beseitigt wird, gleicherma\u00dfen.<br \/>Durch das Leben im Rudel k\u00f6nnen sich ansteckende Hundekrankheiten schneller unkontrolliert verbreiten. Ebenso ist die Welpensterblichkeit h\u00f6her als bei einer Hundehaltung in der Obhut des Menschen. Trotzdem stellt die unter normalen Bedingungen kaum unter Kontrolle zu bringende Vermehrung der frei lebenden Stra\u00dfenhunde wohl das gr\u00f6\u00dfte Problem dar.<\/p>\n<h2>Woher kommen die Stra\u00dfenhunde?<\/h2>\n<p>Die in Deutschland bekannte Vorgehensweise, dass aufgefundene Hunde und Katzen im Tierheim \u2013 quasi wie Fundsachen \u2013 abgegeben, aufbewahrt und wieder an den Besitzer ausgeh\u00e4ndigt werden, wird in der T\u00fcrkei in dieser Form kaum praktiziert. Auch die Vermittlung von Tierheimtieren an einen neuen Besitzer ist kaum \u00fcblich. Man legt vielerorts gesteigerten Wert auf reinrassige Tiere vom Z\u00fcchter, Tiere aus dem Tierheim erfreuen sich kaum einer Beliebtheit. Viele Hunde werden nicht \u2013 wie bei uns \u2013 in der Wohnung sondern im Freien angekettet gehalten und entlaufenen oder spurlos verschwundenen Tieren wird keine gro\u00dfe Aufmerksamkeit geschenkt.<\/p>\n<p>Bei den Stra\u00dfenhunden \u2013 unabh\u00e4ngig ob man sie in der T\u00fcrkei, in Bulgarien oder anderswo antrifft \u2013 handelt es sich oft um aus der Obhut des Menschen entlaufene, zur\u00fcckgelassene oder ausgesetzte Tiere und deren Nachkommen.<br \/>Nach dem t\u00fcrkischen Tierschutzgesetz ist das Aussetzen und T\u00f6ten von Haustieren zwar verboten, jedoch ist \u2013 zumindest f\u00fcr die Stadt Balikesir \u2013 bisher kein Fall bekannt, in dem es zu einer Verurteilung kam.<br \/>Aufgrund der Tatsache, dass die wenigsten Hunde kastriert sind, steigt die Zahl der herrenlosen Vierbeiner ebenfalls durch eine unkontrollierte Vermehrung permanent an.<\/p>\n<p>Die Aufnahme dieser zahlreichen, frei lebenden Hunde in Tierheime ist unm\u00f6glich und w\u00fcrde diese meistens kaum von ihren St\u00e4dten und Gemeinden unterst\u00fctzten Einrichtungen, in denen ohnehin schon zu viele hilfsbed\u00fcrftige Tiere untergebracht sind, schlichtweg \u00fcberfordern.<\/p>\n<p>Nicht selten profitierten solche Tierheime schon in der Vergangenheit von der Hilfsbereitschaft engagierter, deutscher Tiersch\u00fctzer, die Patenschaften erm\u00f6glichten und so genannte \u201eWelpen-Luftbr\u00fccken\u201c einrichteten, mit denen Welpen im vermittlungsf\u00e4higen Alter nach Deutschland transportiert und dort von Tierheimen an neue Besitzer vermittelt wurden. Diese Form des Hilfe leistenden internationalen Hunde \u2013 Im- und Exports erfordert eine gut durchdachte Logistik, ist teilweise sehr zeit- und kostenintensiv, l\u00e4uft aufgrund gesetzlicher Vorschriften nicht zwischen allen L\u00e4ndern gleicherma\u00dfen reibungslos ab und bringt keine dauerhafte Entspannung der problematischen Ausgangssituation.<\/p>\n<p>Zur L\u00f6sung des Problems der vielen Stra\u00dfenhunde kommen f\u00fcr deutsche Tiersch\u00fctzer lediglich dauerhaft erfolgreiche Ma\u00dfnahmen in Betracht, die gleichzeitig mit unserem Bewusstsein und Verst\u00e4ndnis vom Tierschutz vereinbar sind.<br \/>Obwohl ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung fremder L\u00e4nder aufgrund traditioneller und kultureller Aspekte eine andere Denkweise zum Thema \u201eTierschutz\u201c vertritt, was sich u.a. auch in der oft andersartigen Gestaltung von Tierschutzgesetzen widerspiegelt, gibt es auch z.B. in der T\u00fcrkei Tierfreunde, die unsere Vorstellungen von ethisch vertretbarem Tierschutz teilen, bef\u00fcrworten und sogar bereits praktizieren.<br \/>F\u00fcr diese Tiersch\u00fctzer kommt es genauso wenig in Frage, dass die Stra\u00dfenhunde eingefangen und get\u00f6tet werden. Als ebenso verantwortungslos wird es angesehen, die Augen zu verschlie\u00dfen, das Problem zu ignorieren und die herrenlosen Tiere ihrem Schicksal zu \u00fcberlassen.<br \/>Als vern\u00fcnftigste M\u00f6glichkeit, um das Problem der Stra\u00dfenhunde und ihre unkontrollierte Vermehrung \u2013 nicht nur in der t\u00fcrkischen Stadt Balikesir \u2013 in den Griff zu bekommen, erscheint die Durchf\u00fchrung einer gro\u00df angelegten und gut durchdachten Kastrationsaktion.<\/p>\n<h2>Ein vergleichbares Beispiel aus Deutschland<\/h2>\n<p>Bei uns in Deutschland gibt es eine Situation, die sehr an das Problem der Stra\u00dfenhunde erinnert:<br \/>Hier gab oder gibt es immer noch vielerorts kleinere Gruppen von frei lebenden Katzen. Bei diesen Tieren handelt es sich ebenfalls um verwilderte Hauskatzen, die keinem Besitzer mehr zugeordnet werden k\u00f6nnen, oder um Nachkommen, die bereits in Freiheit geboren wurden.<\/p>\n<p>Die verwilderten Hauskatzen sind ebenfalls sehr menschenscheu, lassen sich weder anfassen, noch streicheln und durchstreifen ein bestimmtes Revier auf der Suche nach Nahrung.<\/p>\n<p>Aufgrund der Tatsache, dass eine unkastrierte Katze rein rechnerisch in wenigen Jahren Millionen von Nachkommen zeugen kann, wurde bereits vor \u00fcber 20 Jahren mit gezielten Kastrationsaktionen einer unkontrollierten Vermehrung dieser Tiere entgegen gewirkt. Hierbei wurden die Tiere zun\u00e4chst aufwendig angef\u00fcttert und somit an einen bestimmten Futterplatz gebunden, wodurch sich der allgemeine Gesundheitszustand der einzelnen Tiere leichter erkennen und absch\u00e4tzen lie\u00df.<br \/>Sp\u00e4ter wurden die Tiere einmalig in eine unversehrt fangende Kastenfalle \u2013 eine so genannte Lebendfalle \u2013 gelockt, zum Tierarzt transportiert, bet\u00e4ubt, untersucht, geimpft, gekennzeichnet sowie kastriert und nach kurzer Genesungszeit wieder in ihrer gewohnten Umgebung \u2013 am Fangort \u2013 ausgesetzt.<br \/>Diese teilweise sehr aufw\u00e4ndigen, zeitintensiven und kostspieligen Bem\u00fchungen waren oft nur durch das Mitwirken vieler ehrenamtlicher Tiersch\u00fctzer zu bew\u00e4ltigen, zeigten aber langfristig einen deutlich erkennbaren Erfolg.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang ist interessant, dass in Deutschland deutlich mehr Hunde als Hauskatzen eine Tierkennzeichnung, z.B. in Form einer T\u00e4towierung oder eines Mikrochips, tragen und nur etwa 75% der aufgefundenen Hunde und ca. 10% der gefundenen Hauskatzen anschlie\u00dfend vom zust\u00e4ndigen Tierheim ihrem urspr\u00fcnglichen Besitzer zugeordnet werden k\u00f6nnen. Diese Prozents\u00e4tze variieren in Abh\u00e4ngigkeit von den einzelnen Tierheimen, der Gr\u00f6\u00dfe ihres Einzugsgebietes und ihrer Lage.<br \/>Leider sind in Deutschland weniger als 25% aller Hunde und Hauskatzen sinnvoll und nachvollziehbar gekennzeichnet. Zus\u00e4tzlich erschwert wird die Situation dadurch, dass es selbst in Deutschland keine bundeseinheitliche Registrierung, sondern mindestens drei Einrichtungen zur Erfassung von Tierkennzeichnungen gibt.<\/p>\n<h2>Das Tierheim in Balikesir<\/h2>\n<p>Seit 1995 betreibt die t\u00fcrkische Tiersch\u00fctzerin Nilg\u00fcn Ayalp gemeinsam mit ihrem Mann das Tierheim \u201eOasis\u201c in der Stadt Balikesir und blickt dabei auf eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Entwicklung zur\u00fcck. Vor etwa zehn Jahren baten sie die in Deutschland ans\u00e4ssigen Tierschutzorganisation \u201ePro Animale f\u00fcr Tiere in Not e.V.\u201c bei der Anschaffung von Medikamenten um Hilfe. Bei einem pers\u00f6nlichen Besuch bei Familie Ayalp fiel den \u201ePro Animale\u201c-Mitarbeitern das etwa einen Hektar gro\u00dfe Grundst\u00fcck auf und man hatte die Idee, dass auf diesem Grundst\u00fcck ein Tierheim errichten werden k\u00f6nnte. Familie Ayalp stand diesem Vorschlag positiv gegen\u00fcber, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass sie nicht \u00fcber ausreichende finanzielle Mittel verf\u00fcge, um den Betrieb eines solchen Tierheims dauerhaft zu finanzieren. Jedoch sei die Familie bereit, das Grundst\u00fcck f\u00fcr den Bau eines Tierheims zur Verf\u00fcgung zu stellen, wenn \u201ePro Animale\u201c die weiteren Betriebskosten \u00fcbernehmen w\u00fcrde. Darauf einigte man sich und von Beginn an finanzieren die deutschen Tiersch\u00fctzer nicht nur die Versorgung der Heimtiere, sondern den gesamten Betrieb des Tierheims einschlie\u00dflich der f\u00fcnf Angestellten.<\/p>\n<p>Die im Flachland gelegene, zweihunderttausend Einwohner z\u00e4hlende Stadt Balikesir liegt im Nordwesten der T\u00fcrkei, ca. 200 Kilometer von Izmir, etwa 400 Kilometer von Istanbul und jeweils ungef\u00e4hr 100 Kilometer vom Aegeischen Meer und dem Marmara Meer entfernt. Balikesir ist in erster Linie durch seine Universit\u00e4t, eine Milit\u00e4rschule und einen Milit\u00e4rflughafen bekannt und profitiert leider nicht von der Bekanntheit eines Touristenortes.<\/p>\n<p>Die Bauart des Tierheims ist f\u00fcr eine Aufnahmekapazit\u00e4t von 100 bis 120 Hunden ausgelegt. Mittlerweile leben dort \u00fcber 175 Hunde, 7 Katzen, 23 Ziegen, 11 Schafe, 3 Esel, 3 Pferde, 5 Enten, 2 Truth\u00e4hne, eine Kuh, ein Hase und ungef\u00e4hr 100 Tauben.<br \/>Die monatlichen Ausgaben ergeben sich aus den Kosten f\u00fcr Hundefutter (ca. 1.200 Euro), Viehfutter (ca. 250 Euro), tier\u00e4rztliche Behandlungen und Medikamente (ca. 350 Euro), Geb\u00e4udeinstandsetzung &amp; Energie (ca. 550 Euro) sowie Personal (ca. 3.400 Euro). Mais und Hafer werden als zus\u00e4tzliche Futtermittel kosteng\u00fcnstig selbst angebaut und geerntet.<\/p>\n<h2>Tierschutz in der T\u00fcrkei<\/h2>\n<p>Im Rahmen seiner ehrenamtlichen T\u00e4tigkeit als stellvertretender Vorsitzender der weltweit t\u00e4tigen, gemeinn\u00fctzigen Tierschutz-Stiftung Wolfgang B\u00f6sche informierte sich der deutsche Tiersch\u00fctzer Jens Wolters bei Frau Nilg\u00fcn Ayalp \u00fcber die Tierschutzarbeit in der T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>Jens Wolters: Frau Ayalp, besonders durch die Medien werden deutsche Tierfreunde \u00fcber fremdl\u00e4ndische Traditionen, wie z.B. Stierk\u00e4mpfe, informiert, die f\u00fcr die meisten unserer B\u00fcrger, nach unserem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Tierschutz eine reine Tierqu\u00e4lerei darstellen.<br \/>Dabei machen sich die Unterschiede im Tierschutzdenken und im praktisch m\u00f6glichen Tierschutz in jedem Land doch bereits, im wahrsten Sinne des Wortes, auf der Stra\u00dfe und z.B. auch in Ihrem Tierheim bemerkbar.<\/p>\n<p>Nilg\u00fcn Ayalp: Das ist absolut richtig. Die mir von Freunden aus Deutschland bekannte Arbeitsweise der dortigen Tierheime w\u00e4re f\u00fcr uns w\u00fcnschenswert, ist aber momentan kaum in die Realit\u00e4t umsetzbar. Herrenlose Hunde aus dem Tierheim sind kaum gefragt, lassen sich nur schwer vermitteln und wenn, dann ist zu bef\u00fcrchten, dass sie in vielen F\u00e4lle nur an der Kette gehalten werden, was wir nicht bef\u00fcrworten und unterst\u00fctzen m\u00f6chten. Viele Hundeliebhaber geben viel Geld f\u00fcr reinrassige Tiere vom Z\u00fcchter aus. Wenn die Tiere den Besitzer sp\u00e4ter st\u00f6ren, werden sie einfach ausgesetzt, wodurch sich u.a. die gro\u00dfe Zahl der Stra\u00dfenhunde ergeben hat.<\/p>\n<p>J.W.: Welche M\u00f6glichkeit haben Sie mit Ihrem Tierheim, dass diesen Hunden geholfen werden kann?<\/p>\n<p>N.A.: Wenn es um die Aufnahme aller ausgesetzten Hunde geht, haben wir keine M\u00f6glichkeit mehr diese Tiere bei uns artgerecht unterzubringen. Unser Tierheim ist jetzt bereits schon \u00fcberf\u00fcllt und unsere finanzielle Lage l\u00e4sst keinen weiteren Spielraum mehr offen. Einige unserer Hunde sind bereits seit 10 Jahren bei uns. Aber solange die Tiere umg\u00e4nglich und gesund sind w\u00fcrde es uns niemals in den Sinn kommen, sie einfach einschl\u00e4fern zu lassen damit wir wieder Platz im Tierheim haben.<\/p>\n<p>J.W.: Im September 2005 ver\u00f6ffentlichten mehrere deutsche Tierschutzorganisationen auf ihren Internetseiten einen Bericht \u00fcber tierqu\u00e4lerische Zust\u00e4nde in einem t\u00fcrkischen Tierheim mit der Bezeichnung \u201eBalikesir \/ Erdek\u201c, konnten jedoch kaum weitere Informationen \u00fcber die Situation oder die genaue Lage des Tierheim geben, so dass ortsunkundige deutsche Tierfreunde dieses Tierheim auch mit Ihrer Einrichtung verwechseln k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>N.A.: Die Situation ist in fast allen t\u00fcrkischen Tierheimen sehr kritisch. Deshalb ist es wichtig, dass wir die M\u00f6glichkeiten unseres Tierheims genau kennen und realistisch einsch\u00e4tzen und nur so viele Tiere aufnehmen, wie wir auch ordentlich versorgen k\u00f6nnen. Das besagte Tierheim Balikesir \/ Erdek liegt praktisch im Regierungsbezirk der Stadt Balikesir, zu dem noch 19 weitere, kleinere St\u00e4dte und etwa 900 D\u00f6rfer geh\u00f6ren, ist aber dennoch etwa 150 Km von unserem Tierheim entfernt.<\/p>\n<p>J.W.: Somit gibt es nicht viel Hoffnung das Problem und das Schicksal der Stra\u00dfenhunde langfristig in den Griff zu bekommen?<\/p>\n<p>N.A.: Hoffnung gibt es schon, aber nur in Verbindung mit viel Arbeit, Kosten und Aufkl\u00e4rungsarbeit bei der Bev\u00f6lkerung.<br \/>Aus unserer Sicht kann Tierschutz in der T\u00fcrkei nicht daraus bestehen, eine bestimmte Anzahl von Stra\u00dfenhunden in Tierheimen unterzubringen und die restlichen Tiere ihrem Schicksal zu \u00fcberlassen. Deshalb planen wir eine langfristige Verkleinerung unseres Tierheims, das sich dann nur noch auf die Aufnahme von sehr jungen oder alten, verletzten, behinderten und in Not geratenen Tieren konzentrieren soll. Dies ist im aktuellen t\u00fcrkischen Tierschutzgesetz auch so vorgesehen.<br \/>Als weitere Ma\u00dfnahme haben wir begonnen, die Stra\u00dfenhunde einzufangen, von einem Tierarzt untersuchen, gegen Tollwut impfen, kastrieren, mit einer Ohrmarke kennzeichnen und in einer Kartei mit Foto registrieren zu lassen, bevor sie nach kurzer Genesungszeit wieder in Freiheit entlassen werden. Die im Tierheim aufgenommenen Hunde wurden schon fr\u00fcher grunds\u00e4tzlich kastriert. Im Jahr 2005 konnten wir bereits \u00fcber 300 Stra\u00dfenhunde kastrieren lassen, wobei wir die Kosten teilweise von Freunden gespendet bekommen und aus eigenen Mitteln finanziert haben.<\/p>\n<p>J.W.: Wie viele Stra\u00dfenhunde gibt es in der Stadt Balikesir?<\/p>\n<p>N.A.: Fr\u00fcher wurden alle Stra\u00dfenhunde eingefangen und auf dem M\u00fcllplatz angesiedelt, wo heute ungef\u00e4hr 600 Hunde leben. In der Stadt leben etwa 500 Hunde, was von der Stadtverwaltung jedoch erst geduldet wird, seit dem wir die Tiere impfen und kastrieren lassen.<\/p>\n<p>J.W.: Wie geht die \u00d6ffentlichkeit mit dem Problem der Stra\u00dfenhunde um?<\/p>\n<p>N.A.: Die Medien sind an unserer Tierschutzarbeit und dem Schicksal der Stra\u00dfenhunde interessiert und haben mehrmals in Zeitungen und im Fernsehen dar\u00fcber berichtet. Die Politiker sowie die Stadt- und Gemeindeverwaltungen zeigen wenig Interesse am Tierschutz, die meisten B\u00fcrger interessieren sich nicht f\u00fcr diese Tiere und es gibt auch viele Bewohner, die sich durch die Stra\u00dfenhunde wohl gest\u00f6rt f\u00fchlen.<br \/>Dementsprechend wird unser Tierheim auch nicht von der Stadt finanziell unterst\u00fctzt, es ist kaum m\u00f6glich Spenden von der Bev\u00f6lkerung oder Firmen zu bekommen und die aktive Mithilfe von ehrenamtlichen Tierfreunden, wie wir es aus Deutschland geh\u00f6rt haben, ist bei uns eigentlich im Augenblick undenkbar.<\/p>\n<p>J.W.: Gibt es bestimmte Dinge, die Sie ben\u00f6tigen, um Ihre Kastrationsaktion Erfolg versprechend fortf\u00fchren und beenden zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>N.A.: Oh ja. Wenn wir davon ausgehen, dass mindestens noch 800 Stra\u00dfenhunde kastriert werden m\u00fcssen, um die Situation der unkontrollierten Vermehrung der Tiere erfolgreich in den Griff zu bekommen, ben\u00f6tigen wir sehr viel Nahtmaterial, sterile OP-Einweg-Handschuhe, Antibiotikum, Schmerzmittel, Einwegspritzen und am dringendsten einen oder mehrere Tier\u00e4rzte, die uns unterst\u00fctzen. Alleine schon die Materialkosten f\u00fcr eine Kastration incl. Tollwutschutzimpfung liegen bei etwa 10 Euro pro Behandlung, die wir in der ben\u00f6tigten Gr\u00f6\u00dfenordnung nicht einfach von unseren normalen Tierheimbetriebskosten mal so eben zur\u00fccklegen k\u00f6nnen.<br \/>Deshalb w\u00fcrden wir uns sehr freuen, wenn uns Tier- und Hundefreunde aus Deutschland und anderen L\u00e4ndern unterst\u00fctzen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>J.W.: Vielen Dank, Frau Ayalp, f\u00fcr die interessanten Informationen und Eindr\u00fccke \u00fcber die Tierschutzarbeit und ihre Probleme in der T\u00fcrkei.<\/p>\n<h2>Spendenaktion f\u00fcr die Stra\u00dfenhunde<\/h2>\n<p>Der Braunschweiger Tierfreund und Hundeliebhaber Wolfgang B\u00f6sche, Gr\u00fcnder und Vorstandsvorsitzender der Tierschutz-Stiftung Wolfgang B\u00f6sche, reagiert betroffen und tief bewegt von den Schilderungen aus der T\u00fcrkei.<br \/>\u201eNicht ohne Grund habe ich mich im Jahr 2001 zur Gr\u00fcndung einer eigenen Tierschutz-Stiftung entschieden. Von den mehr als 13.000 Stiftungen in Deutschland besch\u00e4ftigen sich weniger als 1% mit dem Stiftungsziel Tierschutz\u201c, erkl\u00e4rt der Braunschweiger Diplom-Kaufmann.<\/p>\n<p>Wolfgang B\u00f6sche erinnert sich: \u201eIm Rahmen eines fr\u00fcheren Auslandsurlaubs bin auch ich bereits solchen Stra\u00dfenhunden begegnet und hatte damals keine Vorstellung, welches Schicksal diese frei lebenden Tiere teilweise erwartet.\u201c<\/p>\n<p>Aufgrund der Tatsache, dass seine Stiftung noch relativ jung ist und leider bisher nur \u00fcber sehr eingeschr\u00e4nkte finanzielle Mittel verf\u00fcgt, hat sich Tierfreund B\u00f6sche eine andere M\u00f6glichkeit einfallen lassen, um den Stra\u00dfenhunden von Balikesir zu helfen:<br \/>\u201eAm liebsten w\u00fcrde ich die t\u00fcrkischen Tierfreunde sofort mit einer vollst\u00e4ndigen Kosten\u00fcbernahme der gesamten Kastrationsaktion unterst\u00fctzen, was aber leider nicht m\u00f6glich ist. Aber es ist m\u00f6glich, dass meine Tierschutz-Stiftung u.a. auf ihrer Internetseiten in drei Sprachen \u00fcber dieses Thema berichtet, dass ich die Tierfreunde und Tiersch\u00fctzer in Deutschland mit Hilfe der Medien auf das Problem aufmerksam mache und dass wir selbst eine Spendenaktion starten, mit deren Erl\u00f6s wir hoffentlich das ben\u00f6tigte OP-Material f\u00fcr die etwa 800 noch ausstehenden Kastrationen finanzieren k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Tierfreunde, die sich noch ausf\u00fchrlicher \u00fcber die Kastrationsaktion f\u00fcr die Stra\u00dfenhunde von Balikesir informieren m\u00f6chten, k\u00f6nnen sich auch direkt unter der nachfolgenden Anschrift an das Tierheim \u201eOasis\u201c wenden. Spenden f\u00fcr diese Kastrationsaktion nimmt die Tierschutz-Stiftung Wolfgang B\u00f6sche unter dem Stichwort \u201eStra\u00dfenhunde Balikesir\u201c entgegen und leitet sie im vollen Umfang an das Tierheim \u201eOasis\u201c weiter.<\/p>\n<p><strong>Anschrift des Tierheims \u201eOasis\u201c:\u00a0\u00a0 \u00a0Tierheim \u201eOasis\u201c<\/strong><br \/>Familie Ayalp<br \/>Atk\u00f6y Hayvan Barinagi<br \/>P.K.179<br \/>10002 Balikesir<br \/>T\u00fcrkei<br \/>Ansprechpartnerin: Frau Nilg\u00fcn Ayalp<br \/>e-Mail: <a href=\"mailto:info@oasis-balikesir.com\">info@oasis-balikesir.com<\/a><\/p>\n<p>Spendenkonto Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG<\/p>\n<p>IBAN DE94 2003 0000 0007 2007 77<\/p>\n<p>SWIFT (BIC) HYVEDEMM300<\/p>\n<p>Stichwort \u201eStra\u00dfenhunde Balikesir\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jens Wolters In der t\u00fcrkischen Stadt Balikesir bem\u00fcht sich die Familie Ayalp als Betreiber des dortigen, bereits jetzt schon \u00fcberf\u00fcllten Tierheims \u201eOasis\u201c um eine tierschutzgerechte L\u00f6sung des Problems der mittlerweile \u00fcber 1.000 frei lebenden Stra\u00dfenhunde. 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